Nachdem ich im Herbst und im Winter sehr gerne und oft auf Schotterwegen sowie querfeldein durch Wald und Wiesen unterwegs bin habe ich mich schon so richtig auf den PureGrit gefreut.
Auf der Suche nach einem neuen Trailschuh war ich schon seit einiger Zeit, konnte mich aber nicht entscheiden. Umso besser, dass der PureGrit im Brooks Testpaket war – Danke nochmal!
Der erste Eindruck:
Der erste Eindruck war im wahrsten Sinne des Worte “umwerfend”. Man steigt in den Schuh und kippt förmlich nach hinten weg. Die Ferse sitzt extrem tief. Sprengung beim Pure Grit ist nicht…!
Man ist im Stehen schon dazu gezwungen das Körpergewicht etwas nach vorne zu verlagern. Selbst gegenüber flachen Race-Schuhen mit wenig Sprengung, wie z.B. dem Brooks T7 ein nochmal deutlich anderes Gefühl. Das Pure-Konzept überzeugt schon im Stand.
Gefühl bei lockerem Lauf in der Ebene:
Das erste Laufgefühl beim lockeren Laufen ist auch genial. Den PureGrit empfinde ich als sehr bequemen Schuh. Im Fesenbereich mit gutem Sitz und nach vorne hin immer bequemer werdend, so dass die Zehen reichlich Spielraum haben ähnlich dem Green Silence -bei meinen Füßen zumindest. Das Laufgefühl ist wirklich “pure”. Der Fußaufsatz kommt gleich automatisch anders. Viel mittiger und dynamischer und das ganz automatisch ohne das groß aktiv steuern zu müssen. Der Schuh ist auch extrem flexibel und in alle Richtungen verwindbar. Echt genial!
Zieht mal einen Schuh der Pure-Serie an und dann ein dick gedämpftes herkömmliches Modell gleich im Anschluss – ein echter Kontrast – ein Unterschied wie Tag und Nacht – hätte ich so nicht gedacht.
Einsatz im Gelände:
Solange der Untergrund trocken ist läuft sich der PureGrit in leichtem Gelände auch sehr gut und sicher. Die breite Auflagefläche der Sohle hält hier was sie verspricht. Die flexible Sohle lässt den Fuß in griffigen Bergaufpassagen schön aktiv arbeiten. Der Schuh ist kein Klotz am Bein wie so manch andere Trailschuhe. Den PureGrit spürt man kaum – zumindest nicht das Gewicht. Den sehr direkten Kontakt zum Boden sehr wohl aber das will man ja auch, wenn man sich so einen Schuh zulegt!
Nicht wahrgenommen habe ich den abgetrennten Sohlenbereich am großen Zeh. Eine größere Flexibilität war für mich hier nicht spürbar. Dadurch, dass der Schuh eh großzügig geschnitten ist und bei mir auch nach vorne ein Zentimeter Luft war, kann man meines Erachtens auf diesen Sohlenbereich gar nicht den nötigen Druck aufbauen, um diesen bewusst anzusteuern. Optisch nett und auffällig aber fürs Laufen aus meiner Sicht nicht nötig.
Bei schnellen Richtungswechseln besteht durch die tief sitzende Ferse und breite Auflagefläche auch kaum die Gefahr umzuknicken. Das habe ich auch schon anders erlebt. Allerdings wirkt mir der PureGrit bei schnellen Richtungswechseln im vorderen Bereich etwas zu schwammig, weil großzügig (breit) geschnitten. Ich habe eigentlich keinen besonders schmalen Fuß, trotzdem bekomme ich hier nicht den Seitenhalt, den ich gerne hätte. Ich habe das Gefühl, dass in Kurven zuerst der Fuß im Schuh leicht verrutscht und dann erst der Schuh “greift”.
Einsatz auf nassen Straßen:
Ein eher schlechtes Zeugnis muss ich dem PureGrit bisher auf nassem Untergrund ausstellen. Im Herbst sind Straßen und Wege durch das viele Laub, Regen, Nebel usw. schmutziger und “glischig”. Von einem Trailschuh müsste ich eigentlich erwarten können, dass dieser gerade bei solchen Bedingungen guten Halt bietet. Beim PureGrit vermisse ich das etwas. Man sollten die ersten Läufe mit dem PureGrit keinesfalls auf nasser Asphaltstraße machen. Mir rutschte der Fuß in der hinteren Abdruckphase einfach durch. Bergauflaufen auf nassem Kopfsteinpflaster war fast unmöglich. In einer Berabpassage und in einer Kurve auf Kopfsteinpflaster bin bei harmlosem Tempo richtig weggerutscht. Zuerst dachte ich, das liegt daran, dass ich den Schuh vorher erst einmal gelaufen bin und der Gummi noch zu neu bzw. zu wenig abgerieben ist. Zum direkten Vergleich habe ich mir sofort den nagelneuen Brooks Launch geschnappt und bin die gleichen Passagen gelaufen. Halt und Grip waren da einwandfrei. Bei weiteren Läufen, als die kleinen “Mininoppen” am Profil abgerieben waren, wurde es etwas besser aber immer noch nicht gut! Ich werde weiter testen.
Verbesserungsfähig ist der PureGrit in folgenden Punkten:
Sohle: Hier sollte man sich die Mischung nochmal genauer unter die Lupe nehmen und evtl. weitere Rückmeldungen abwarten. Vielleicht erging es ja nur mir so auf nassem Boden. Das Profil insgesamt könnte evtl. noch etwas vielseitiger einsetzbar “designt” werden. Eine Mischung aus feinerer und gröberer Profilierung wäre evtl. besser.
Halt: Mir persönlich ist der PureGrit etwas zu schwammig für einen Trailschuh. Der Lauch, Racer ST sind z.B. auch angenehm zu tragen bieten aber mehr Halt.
Komfort: Eine Kleinigkeit die mir immer wieder mal auffällt ist die “Textilaussparung” an der Ferse im Bereich der Achillessehne. Bei manchen Modellen gibt es die, bei anderen wieder nicht. Keine Ahnung warum das so ist. Ich fühle mich mit leicht “ausgeschnitten” Fersenkappen wohler. Der Grit hat das nicht. Hier ist die Fersenkappe zwar weich aber hochgezogen. Bei Problemen mit der Achillessehne (was ja doch viele Läufer immer wieder mal haben…) wird hier kein zusätzlicher Druck auf die Sehne ausgeübt. Wenn man keine Probleme mit der Sehne hat fällt so etwas wahrscheinlich kaum auf. Bei Schmerzen sind ausgeschnittene Schuhe aber deutlich besser, ohne an Halt zu verlieren! Hier mal zum Vergleich der Launch und der PureGrit.
Super beim PureGrit:
Konzept: Das Grundkonzept der Pure-Serie überzeugt mich total. Der tiefe Stand und die Flexibilität des Schuhs sind super! Der Schuh ist leicht, direkt und einfach angenehm zu tragen! Sehr gut ist auch die angenähte Zunge.
Fazit:
Der PureGrit ist ein absolut angenehm zu tragender Schuh mit bequemer Passform. Das Pure-Konzept überzeugt mich voll.
Das ideale Einsatzgebiet für den PureGrit sind aus meiner Sicht schottrige, sandige oder weiche Untergründe wie Wald und Wiesenböden auf denen er den Vorteil seiner breiten Sohle voll ausspielen kann. Sprich ein Schuh, um wirklich den Fuß aktiv zu trainieren!
Nicht optimal geeignet als Trailschuh ist der PureGrit aus meiner Sicht für nasse, harte Böden und auf verwinkelten Strecken mit starken, schnellen Richtungswechseln. Dafür ist er etwas zu schwammig und die Sohle bietet zu wenig Grip!






